Junge mit Seifenblasen

PRYVIT! HALLO!

Pryvit heißt auf Ukrainisch Hallo - wir sagen Pryvit und freuen uns sehr, Sie hier über unsere Arbeit für die Kinder von Tschernobyl informieren zu können.

Bereits 34 Jahre ist es her, dass sich das furchtbare Atomunglück in Tschernobyl ereignete. Doch noch immer leiden die Menschen vor Ort unter der verheerenden Katastrophe. Gesundheitlich, wirtschaftlich und sozial.

Wir geben mit unserem Projekt den Kindern und ihren Familien dieser vergessenen Region eine neue Perspektive. Helfen Sie uns dabei! Erfahren Sie hier, wie Sie uns unterstützen können.

News

 

PRYVIT hilft Flüchtlingen aus der Ukraine und Tschernobyl-Kindern

Mit Hilfe vieler großzügiger Spenden konnte der Verein PRYVIT-Hilfe für Tschernobyl-Kinder e.V. mal wieder gute Werke finanzieren. Das haben Sie mit Ihrem Engagement möglich gemacht! Dafür sagen wir von Herzen Dank!

Mit leuchtenden Augen betraten unsere Tschernobyl-Kinder das herrliche Gelände des Schullandheims Erlenried in Großhansdorf. Und all die schönen Erinnerungen an einen unbeschwerten Sommer waren sofort wieder da. Das war ein guter Start für das Treffen mit „unseren“ Flüchtlingsfamilien, den Familien unserer Tschernobyl-Kinder. PRYVIT hatte zu einem Willkommensfest am 29. April eingeladen, Tische und Bänke aufgebaut, Getränke und Geschirr eingekauft und ein paar Materialien für die Spiele. Und da waren sie dann: Unsere Schützlinge mit ihren Familien, Gastfamilien und Helfern, außerdem Mitglieder und Freunde von PRYVIT. Und während die Erwachsenen schnell ins Gespräch vertieft waren und Erlebnisse und Zukunftspläne austauschten, gab es für die Kinder Wettspiele, da wurde viel gelacht. Das weitläufige Gelände lud zu Bewegung ein. Die Presse war auch vor Ort und berichtete anschließend in regionalen Blättern.

Aber wie waren sie hierhergekommen? Über viele Jahre hatten wir den Kontakt zu unseren Tschernobyl-Kindern gehalten. Nach dem Kriegsbeginn baten sie uns um Hilfe. Wir finanzierten Fluchtautos, halfen bei der Planung der Fluchtrouten, ermöglichten Hotelübernachtungen in Berlin, wenn der Zug erst kurz vor Mitternacht dort ankam, nahmen sie schließlich am Hamburger Hauptbahnhof in Empfang. Da flossen schon mal ein paar Tränen der Erleichterung.

Und dann brachten wir sie zu freundlichen Gastfamilien in Ahrensburg, Großhansdorf und Ammersbek, in Rahlstedt und Hamm, die sich rührend um unsere Schützlinge kümmerten, ihnen Geborgenheit und Ruhe boten. Das war natürlich viel besser als eine Unterbringung in einer Massenunterkunft wie den Messehallen mit ihren Feldbetten ohne jegliche Privatsphäre. Vor allem die ländliche Umgebung östlich von Hamburg kam den Bauernfamilien aus der Ukraine sehr entgegen. Wir unterstützten die Gastfamilien finanziell, damit sie die zusätzlichen Lebenshaltungskosten schultern konnten, bevor das erste staatliche Geld floss. Einige Flüchtlingsfamilien mit besonderem Betreuungsbedarf fuhren wir zunächst in die Zentrale Erstaufnahme in Bad Segeberg, wo sie Familienzimmer bekamen und sehr gut versorgt wurden. So fanden vom 10. März bis zum 24. April „unsere“ 62 Flüchtlinge eine gute Unterkunft. Die allerersten aber waren Alla Dzedzenko, die Lehrerin aus Narodychi, und ihre Familie, die sich gleich bei Kriegsbeginn mit eigenem Auto auf den Weg machten. Etliche unserer Flüchtlinge sind inzwischen in Wohnungen umgezogen, die die Gemeinden Großhansdorf, Ahrensburg und Ammersbek zur Verfügung gestellt haben. Und eine Familie hat sogar schon Arbeit gefunden und eine eigene Wohnung bezogen.

Ja, und wie werden diese Flüchtlinge nun versorgt? Neben den staatlichen Hilfen für Lebenshaltung, Krankenversicherung und Miete sind vielfältige Hilfen nötig, die zum großen Teil die betreuenden Gastfamilien leisten und geleistet haben, aber auch Mitglieder und Freunde von Pryvit, der Freundeskreis Ahrensburg und weitere Helfer. Da ging es zunächst um Kleidung, denn die meisten Flüchtlinge waren nur mit ein paar Plastiktüten gekommen und hatten nicht mal Unterwäsche zum Wechseln. In der Tschernobyl-Region hat fast niemand das Geld für eine Reise, also besitzt auch kaum jemand einen Koffer. Vieles konnten wir aus Kleiderspenden weiterreichen, manches Paar Schuhe musste aber auch gekauft werden. Dann war die Registrierung bei den Ämtern zu organisieren. Dazu wurden biometrische Passfotos benötigt, oft auch ein Termin beim Konsulat, manchmal beim Jugendamt, gelegentlich waren kostenpflichtige offizielle Übersetzungen nötig. Dann ging es um kostenlose SIM-Karten für die Handys, aber manchmal fehlte auch ein Handy. Wir vereinbarten Arzttermine mit Dolmetscher und kümmerten uns um die Ergänzung der Erstausstattung für eigene Wohnungen. Da haben wir zum Beispiel Schränke gekauft, Wäscheständer, Toaster, Fön. Fahrräder gab es meist aus Spenden, aber manchmal fielen Reparaturen an. Wichtig war die Anmeldung bei der Tafel für kostenlose Lebensmittel, die Anmeldung der Kinder bei Schulen, Sportvereinen und Jugendtreffs, für die Erwachsenen Integrationskurse. Zuletzt kümmerten wir uns um Haftpflichtversicherungen. Über all die Wochen haben wir die Flüchtlinge und ihre Betreuer oft besucht. Da kamen viele Kilometer zusammen, für die wir das Benzin bezahlen mussten. Und dann haben wir per „Google Translate“ kommuniziert und nach ihren Sorgen und Nöten gefragt, sie immer wieder per Rundmail von PRYVIT mit den neuesten Informationen versorgt. Und gelegentlich wurden Ausflüge für kleine Gruppen von Kindern und Jugendlichen angeboten (Sommerdom, Heidepark). Da sah man oft fröhliche Gesichter.

Inzwischen ist fast die Hälfte „unserer“ Flüchtlinge in die Heimat zurückgekehrt, weil es in der Tschernobyl-Region zurzeit ruhig ist. Nun hoffen wir natürlich, dass es dort zu keinen weiteren Kriegshandlungen kommt.

Und das hoffen wir auch deshalb, weil wir vom 7. bis 27. August wieder einen PRYVIT-Erholungssommer planen: Wir haben diesmal 21 Kinder eingeladen, dazu vier Betreuer, und möchten – wie vor den zwei Coronajahren – die Kinder wieder mit ärztlichen Untersuchungen und Behandlungen versorgen, die sie so bitter nötig haben, insbesondere die Reparatur ihrer meist kariösen Zähne und die Anpassung von Brillen. Und dann freuen wir uns schon auf viele schöne Ausflüge mit den Kindern. Vor allem ein Besuch von Hagenbecks Tierpark steht auf dem Programm und ein Tag an der Ostsee – ein besonderes Erlebnis, denn diese Kinder haben noch nie das Meer gesehen! Wir planen also fleißig und hoffen sehr, dass die Kinder sicher hierher und auch wieder zurückkommen. Alla Dzedzenko wird sie persönlich begleiten. Inzwischen fährt wieder ein Bus von Schytomyr nach Hamburg.

Und falls Sie uns besuchen wollen, kommen Sie doch gern zum Ukrainischen Fest am Samstag, dem 20. August um 15 Uhr auf Erlenried, Radeland 42, 22927 Großhansdorf. Vor allem aber: Drücken Sie uns die Daumen, dass wir in diesem Jahr endlich wieder einen PRYVIT-Sommer durchführen können – und auch dafür brauchen wir immer viel Geld!

P.S. Falls Sie unsere Arbeit weiter unterstützen möchten, spenden Sie gern direkt auf unser Vereinskonto:

PRYVIT

IBAN     DE16 2005 0550 1241 1508 28

BIC        HASPDEHHXXX

Aktionen im Coronajahr 2021                     

Auch in diesem Jahr konnten wir coronabedingt noch keinen PRYVIT-Sommer durchführen, was uns sehr geschmerzt hat, vor allem für die Kinder, die das so nötig haben und sich so sehr wünschen. Aber im nächsten Jahr soll und kann es nun wieder richtig losgehen. Wir wollen die Kinder in Narodychi im Januar besuchen, neue Familien kennenlernen und Weihnachtspäckchen verteilen. Und für den Sommer 2022 haben wir das Schullandheim schon fest gebucht, vom 6. bis 27. August.

Doch auch in diesem Jahr haben wir die Familien unserer Tschernobyl-Kinder gut versorgt - mit Ihrer Hilfe. Unsere 3.Lebensmittelaktion konnten wir im März erfolgreich durchführen, und im September gab es zum Schulanfang zum 2. Mal Schreibwaren für alle Schulkinder, dank Alla Dzedzenko, der Lehrerin, die vor Ort mit viel Engagement die Verteilung organisiert hat.

Es ist uns ein Rätsel, wie Alla das diesmal geschafft hat, nach dem schweren Autounfall im August mit dreiwöchigem Krankenhausaufenthalt. Und wir sind froh, dass wir unserem „Engel von Narodychi“ durch eine private Spendensammlung wenigstens die größte finanzielle Not lindern konnten. Allen Spendern großen Dank dafür!

Außerdem haben wir im Mai über die Lutherkirche in Bahrenfeld Tschernobyl-Kinder in Belarus mit Medikamenten versorgt.

Im Sommer hatten wir auch wieder ein Kleiderdepot eröffnet und dann nach wochenlangem Sortieren und Packen insgesamt 98 Kleiderpakete in die Ukraine geschickt mit einem Gesamtgewicht von 1,7 Tonnen. Viel Spaß hat es uns gemacht, darin auch Reis und Spaghetti, Schreibwaren, Drogerieartikel, kleines Spielzeug und Kuscheltiere zu verstecken. Die Kinder haben sich sehr gefreut und uns kleine Videos mit „bolschoi spaciba!“ (vielen Dank) und „dankeschoon“ geschickt, auch Fotos, auf denen sie die Geschenke um sich herum ausgebreitet haben. Wir sind sehr froh, dass alles immer heil und sicher ankommt, auch dank unseres großartigen Transporteurs Konstantin.

Die Mitgliederversammlung am 11. September, zu ungewohnt spätsommerlicher Zeit, war schwach besucht aber von guter Laune getragen und inhaltlich erfolgreich. Alle Vorstandsmitglieder wurden in ihrem Amt bestätigt. Gute Ideen für die Zukunft gab es auch – und reichlich leckeren Kuchen.

Nach den Herbstferien starten wir dann wieder die Weihnachtspäckchen-Aktion. Eine Klasse vom Charlotte-Paulsen-Gymnasium hat sich schon bei uns gemeldet und freut sich sehr auf das Packen. Die Stimmung bei diesem „Event“ ist immer ausgesprochen engagiert und fröhlich. Auch das Heinrich-Heine-Gymnasium wird sicher wieder dabei sein.

Uns liegen die Kinder der Tschernobyl-Region am Herzen, und wir freuen uns, wenn Sie weiterhin an unserer Seite sind, auch und gerade in dieser Corona-Zeit. Passen Sie auf sich auf und bleiben Sie gesund und wohlgemut!

Einen sonnigen Herbst wünscht     

Ihr PRYVIT-Team im Oktober 2021

Februar 2022:

Ein großes „Dankeschön“ aus der Ukraine!

Das hören wir auf den Videos, sehen wir auf den Fotos, die uns jetzt erreichen. Die Kinder in der Tschernobyl-Region haben in diesen Tagen erst ihre Weihnachtspäckchen bekommen. Aber dort wird das ukrainische Weihnachtsfest ja auch erst am 7. Januar gefeiert.

140 Päckchen wurden hier im Advent gepackt. Schüler des Charlotte-Paulsen-Gymnasiums hatten Spenden abgegeben: Mützen, Schals und Handschuhe, Schreibwaren und Drogerieartikel, kleines Spielzeug und etwas Schokolade. Die Klassen 5c (Nina Pätzig und Katharina Prinz) und 6b (Kathrin Lenk) hatten dann mit großem Engagement weihnachtlich beklebte Schuhkartons gefüllt. Auch das Heinrich-Heine-Gymnasium in Poppenbüttel hatte sich beteiligt. Im Dezember wurden die Päckchen per Lkw in die Ukraine transportiert und in den letzten Januartagen an die Kinder der Tschernobyl-Region verteilt.

Seit 10 Jahren kümmern wir uns um die Kinder aus der Tschernobyl-Zone rund um das Dorf Narodychi. Die Gegend ist immer noch stark radioaktiv verstrahlt, obwohl der Reaktorunfall inzwischen mehr als 35 Jahre zurückliegt. Die Menschen, die dort heute noch leben, sind zu arm um anderswo hinzuziehen. Es sind zum großen Teil Bauernfamilien, die sich von dem ernähren, was auf ihrem verstrahlten Boden wächst. Meist haben sie eine Kuh, zwei Schweine und ein paar Hühner. Durch die stete Strahlenbelastung ist ihr Immunsystem geschädigt, etliche Kinder sind Waisen oder Halbwaisen, da viele Eltern früh an Krebs sterben.

Die Infrastruktur ist nach dem Reaktorunfall zusammengebrochen. In der einst prosperierenden Gegend liegen Atomindustrie, Landwirtschaft und Tourismus darnieder. Die Arbeitslosigkeit ist hoch, die Perspektivlosigkeit setzt den Menschen zu, denn hier wird staatlicherseits nichts mehr investiert. Die Region ist verloren und blutet aus. Jedes Mal, wenn wir dort sind, sehen wir mehr verfallene Häuser. Das ist deprimierend. Mit unserem Engagement bringen wir etwas Licht in die armen Hütten.

Wir haben die Familien in der Coronazeit mit Kleidung, Nahrungsmitteln, Drogerieartikeln und Schulsachen versorgt. Eine Lehrerin des örtlichen Gymnasiums hat die Pakete in den weit verstreut liegenden Dörfern verteilt. In diesem Sommer hoffen wir wieder 20 Kinder in das Schullandheim Erlenried in Großhansdorf einladen zu können, wo sie sich dann drei Wochen lang erholen dürfen, von Ärzten untersucht und behandelt werden und Ausflüge unternehmen. Und sicher können sie auch wieder einen Tag am Unterricht des Charlotte-Paulsen-Gymnasiums teilnehmen. Diese Schule unterstützt die Arbeit unseres Vereins – ganz im Sinne ihrer Namenspatronin Charlotte Paulsen, der Sozialreformerin: „Charlotte hilft.“

Ihr PRYVIT-Team